Sternschnuppen über dem Zirbitzkogel Es beginnt meist nicht mit einer Sternschnuppe. Es beginnt mit dem langsamen Dunkelwerden.

Die Perseiden im August

Über den Seetaler Alpen liegt noch ein heller Streifen, während die Wiesen rund um das AlmDorf bereits ihre Farbe verlieren. Die Konturen der Fichten werden dunkler, der Wind streicht kühler über das Gras, und aus der Ferne trägt die Luft manchmal noch den Klang einer Kuhglocke herauf. Der Tag zieht sich zurück, ohne Eile. Erst erscheint ein Stern, dann ein zweiter, und irgendwann ist der Himmel nicht mehr nur das, was über der Landschaft liegt. Er wird selbst zur Landschaft.

Im August warten wir in solchen Nächten auf die Perseiden. Auf jene kurzen, hellen Spuren, die für einen Augenblick über den Himmel ziehen und verschwinden, noch bevor man richtig verstanden hat, was man gerade gesehen hat.

Man kann sie nicht bestellen, nicht festhalten und nicht für einen bestimmten Moment einplanen. Man kann nur hinausgehen, einen dunklen Platz suchen und lange genug nach oben schauen.

Eine Abendwanderung Richtung Zirbitzkogel

Mit den Perseiden verbinde ich eine besonders persönliche Erinnerung. In dieser Zeit bin ich abends mit meinen Kindern Richtung Zirbitzkogel gewandert. Nicht weit, nicht mit einem großen Ziel und ohne dichtes Programm. Wir wollten hinaus in die beginnende Nacht, Sternschnuppen suchen und Wünsche in den Himmel schicken.

Schon der Weg war Teil dieses Abends. Das Licht wurde mit jedem Schritt schwächer. Die vertrauten Wege sahen plötzlich anders aus, obwohl wir jeden Stein und viele Kurven gut kannten. Aus der warmen Wiese stieg noch der Geruch des Tages auf, dazwischen lagen der Duft von Almkräutern, feuchter Erde und den Nadelbäumen am Weg. Wo der Wind über die freien Flächen kam, wurde es rasch kühler.

Kinder gehen anders in eine solche Nacht hinein. Zuerst wird noch geredet, gefragt und geraten. Wo wird die erste Sternschnuppe auftauchen? Wie schnell muss man seinen Wunsch denken? Darf man ihn jemandem erzählen? Und was geschieht, wenn zwei Menschen dieselbe Sternschnuppe sehen?

Nicht jede Frage braucht sofort eine Antwort.

In solchen Augenblicken wird aus einer Abendwanderung etwas, das lange in Erinnerung bleibt. Nicht, weil viel geschehen wäre, sondern weil wir gemeinsam dort waren und für eine Weile nichts anderes tun mussten, als zu schauen.

Unser Platz war die Aussichtsplattform auf der Herta-Höhe. Dort stehen Liegestühle, die in diesen Augustnächten zu richtigen Logenplätzen werden. Vor uns öffnet sich die Weite, über uns liegt der Himmel, und ringsum wird es stiller, je länger man bleibt. Man lehnt sich zurück, zieht die Jacke etwas enger und wartet.

Manchmal zeigt jemand zu spät nach oben. Manchmal sieht nur einer von uns noch das Ende einer hellen Spur. Dann richten sich alle Blicke wieder in dieselbe Dunkelheit.

Warum die Perseiden im August leuchten Kleine Teilchen auf einer sehr alten Bahn

Was wir Sternschnuppen nennen, sind keine Sterne, die vom Himmel fallen. Die Perseiden entstehen, wenn die Erde eine Spur aus Staub und kleinen Teilchen durchquert, die der Komet 109P/Swift-Tuttle auf seiner Bahn hinterlassen hat. Treffen diese Teilchen mit hoher Geschwindigkeit auf die Erdatmosphäre, erhitzt sich die Luft entlang ihrer Flugbahn. Für einen kurzen Moment sehen wir eine helle Leuchtspur.

Manche dieser Spuren sind fein und so schnell verschwunden, dass man sich nicht sicher ist, ob man sie wirklich gesehen hat. Andere ziehen hell über einen großen Teil des Himmels und hinterlassen für einen Moment ein schwaches Nachleuchten.

Der Name Perseiden kommt vom Sternbild Perseus. Verlängert man die Bahnen der Meteore gedanklich zurück, scheinen sie ungefähr aus dieser Richtung zu kommen. Tatsächlich können die Sternschnuppen jedoch überall am Himmel auftauchen. Ein Teleskop ist deshalb nicht notwendig. Ein möglichst freier Blick hilft mehr als jedes technische Gerät.

Vielleicht liegt darin ein Teil ihrer Faszination: Ein winziges Teilchen, das seit langer Zeit durch das All reist, begegnet der Atmosphäre der Erde. Von der Herta-Höhe aus sehen wir für den Bruchteil einer Sekunde seine letzte Spur.

Sternschnuppen beobachten auf 1.600 Metern

Auf der Alm besitzt die Dunkelheit eine andere Tiefe. Es gibt weniger künstliches Licht, das den Himmel aufhellt, und die freie Lage lässt den Blick weit werden. Trotzdem braucht es Zeit, bis man wirklich in einer solchen Nacht angekommen ist.

Unsere Augen müssen sich erst an die Dunkelheit gewöhnen. Wer zwischendurch auf ein helles Handy schaut, beginnt damit beinahe wieder von vorn. Deshalb bleibt das Telefon am besten in der Tasche oder wird nur mit stark gedimmtem Licht verwendet.

Nach einer Weile erscheinen Sterne, die kurz zuvor noch unsichtbar waren. Auch die Umgebung verändert sich. Geräusche treten deutlicher hervor: das Rascheln im Gras, ein später Vogelruf, der Wind in den Baumwipfeln oder die Schritte eines Menschen auf dem Weg. Gleichzeitig verliert die vertraute Landschaft ihre klaren Grenzen. Wiesen und Wald gehen ineinander über, während sich der Himmel weiter öffnet.

Was du für diePerseiden-Beobachtung brauchst

Viel Ausrüstung ist nicht notwendig. Eine Decke, warme Kleidung und ein Platz mit möglichst freier Sicht genügen. Auf 1.600 Metern können selbst warme Augusttage in kühle Nächte übergehen. Besonders beim langen Sitzen oder Liegen wird die Kälte spürbar. Eine Jacke, feste Schuhe und vielleicht ein warmes Getränk machen das Warten angenehm.

Auf der Aussichtsplattform der Herta-Höhe bieten die Liegestühle einen freien Blick nach oben. Man muss den Nacken nicht anstrengen und kann einen großen Teil des Himmels überblicken. Die besten Beobachtungsbedingungen entstehen gewöhnlich in den späteren Nachtstunden, wenn es vollständig dunkel ist und der scheinbare Ausgangspunkt der Perseiden höher über dem Horizont steht.

Doch nicht jeder Abend muss bis zum frühen Morgen dauern. Gerade mit Kindern kann schon der Weg in der Dämmerung, das erste Erkennen der Sternbilder und das gemeinsame Warten zu einem eigenen Erlebnis werden. Vielleicht zeigt sich eine Sternschnuppe. Vielleicht auch nicht. Der Himmel bleibt derselbe und ist doch in jeder Nacht anders.

Wer tagsüber die Wege rund um den Berg kennenlernen möchte, begegnet dieser Landschaft beim Wandern Richtung Zirbitzkogel noch einmal auf andere Weise. In der Nacht bleiben von ihr nur Umrisse, Gerüche, Geräusche und das Gefühl des Bodens unter den Füßen.

Wünsche, die schneller sein müssen als ein Gedanke

Sternschnuppen und Wünsche gehören seit langer Zeit zusammen. Auch mit meinen Kindern war das Wünschen Teil unserer Wanderung. Wir gingen nicht hinauf, um möglichst viele Leuchtspuren zu zählen. Wir gingen, um Wünsche zu erfüllen – oder ihnen zumindest für einen Abend einen Platz unter diesem großen Himmel zu geben.

Dabei ist eine Sternschnuppe schneller als jeder gut vorbereitete Satz. Kaum ist sie zu sehen, ist sie schon wieder verschwunden. Manchmal bleibt keine Zeit, den Wunsch fertig zu denken. Manchmal kommt etwas ganz anderes in den Sinn als das, was man sich vorgenommen hatte. Und manchmal vergisst man vor lauter Staunen sogar, sich etwas zu wünschen.

Vielleicht muss ein Wunsch in einer solchen Nacht auch nicht vollständig ausgesprochen werden. Er darf mitgehen, während man durch die Dämmerung wandert. Er darf auf einem Liegestuhl auf der Herta-Höhe liegen, zwischen Kinderfragen, kalten Händen und dem Rascheln einer Decke.

Das gemeinsame Schauen gehört zu jenen AlmErlebnissen, für die keine Kulisse aufgebaut werden muss. Der Ort, die Nacht und ein wenig Geduld reichen aus.

Sondern weil der Weg gerade so einladend aussieht.

Perseiden und die dunklen Augustnächte

Die Perseiden erreichen ihr Maximum gewöhnlich in den Nächten rund um Mitte August. Besonders günstig ist, wenn auch noch Neumond ist. Dadurch fehlt in der Maximumsnacht störendes Mondlicht, und auch die umliegenden Nächte bieten bei klarem Wetter sehr dunkle Bedingungen.

Die Perseiden beschränken sich jedoch nicht auf diesen einen Termin. Der Meteorstrom ist  nach Angaben der International Meteor Organization von Mitte Juli bis um den 20. August aktiv. Das Maximum ist lediglich jene Zeit, in der statistisch die meisten Perseiden auftreten können.

Darum lohnt sich der Blick nach oben während eines großen Teils des Augusts. Vor dem Maximum nimmt die Aktivität langsam zu, danach wird sie wieder schwächer. Auch nach dem 20. August endet der Nachthimmel natürlich nicht. Dann sind zwar kaum noch Perseiden zu erwarten, doch klare Nächte bis zum Monatsende können weiterhin eindrucksvoll sein. Der Mond wächst nach dem Neumond allmählich an und erreicht den Vollmond. Die dunkelsten Nächte liegen daher rund um Neumond; danach verändert das zunehmende Mondlicht die Stimmung und lässt die Landschaft auf eine andere Weise hervortreten.

Eine Garantie für Sternschnuppen gibt es in keiner dieser Nächte. Wolken können aufziehen, der Blick kann gerade in die falsche Richtung gehen, oder lange Zeit geschieht scheinbar gar nichts. Gerade deshalb sollten die Perseiden kein Programmpunkt sein, der erfüllt werden muss.

Sie sind eine Einladung, hinauszugehen.

Ein Augustabend im AlmDorf

Vielleicht beginnt dein Abend mit einem langsamen Weg vom AlmDorf hinauf zur Herta-Höhe. Über den Wiesen liegt noch Wärme, doch im Schatten wird die Luft bereits frisch. Du hörst das Summen der letzten Insekten, riechst Gras und Holz und siehst, wie das Licht über den Seetaler Alpen abnimmt.

Oben suchst du dir einen Liegestuhl. Du wartest, bis die ersten Sterne deutlicher werden. Neben dir wird leiser gesprochen. Irgendwann zieht eine helle Spur über den Himmel, vielleicht genau in jenem Moment, in dem niemand damit gerechnet hat.

Danach bleibt die Dunkelheit.

Der Rückweg führt durch eine Landschaft, die du vom Tag kennst und nun neu wahrnimmst. Vielleicht wartet in der Hütte noch Wärme, vielleicht klingt der Abend später in der AlmWellness Anlage aus. Der Wunsch, den du mit nach oben genommen hast, muss dabei niemandem erzählt werden.

Die Perseiden ziehen weiter, Nacht für Nacht, bis ihre Spuren gegen Ende August seltener werden. Der Weg zur Herta-Höhe bleibt. Und über den Liegestühlen liegt derselbe weite Himmel, unter dem wir damals mit unseren Kindern gewartet haben.

Wer einige dieser Augustnächte im AlmDorf verbringen möchte, findet über info@tonnerhuette.at Raum für einen Aufenthalt, bei dem der Himmel sein eigenes Programm schreibt.

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